No English Version

 Home

 Up

 

 

Brief von GeorgGeorgs Briefe

von Hans-Joachim Freinatis

Wie der Zufall es will: In diesem Fall waren es spielende Kinder, die im Schuppen eines unbewohnten, vor dem Abbruch stehenden Hauses in Uelsen voller Entdeckerfreuden stöberten und in alten Briefpacken einen vermeintlichen Schatz hoben. Wohlmeinende Ermahnungen rückten die Dinge wieder zurecht, aber eine Handvoll Briefe, die schon auf den ersten Blick eine besondere Kuriosität offenbarten, überlebten. Inzwischen sind schon wieder fast drei Jahrzehnte ins Land gegangen. Moderne Neubauten an Stelle des alten Häuschens haben den Anblick der Straße verändert, die Zeit hat die Familie mit sich genommen, der Name ist in Uelsen erloschen.

Aber da sind noch die Briefe, nie für neugierige Außenstehende bestimmt. Richtig betrachtet sind sie aber der Schatz, von dem die Kinder damals sprachen, eine Quelle, aus denen der geschichtlich interessierte Leser, der Soziologe, der Familienkundler, schöpfen kann. Es fällt schwer nicht angerührt zu werden von den ganz und gar privaten Sorgen des Briefeschreibers, eingebettet in den historischen Zusammenhang.

Um das Besondere der Originale so weit wie möglich zu erhalten, hat der "Übersetzer" den Text buchstabengetreu übertragen. Die gewählte Schriftart (Lucida Handwriting) möge die Authentizität erhöhen. Falls diese Schriftart auf Ihrem Rechner nicht vorhanden ist bzw. deren Ersatzschrift unleserlich ist, dann bitte hier zur Alternativversion wechseln.

Ach, wie herrlich und erlabend
Ist nach heißem Tag der Abend,
Durst und Hunger sind gestillt,
Holde Eintracht, friedlich Bild!

(kein Datum)

Liebe Eltern!

Teile Ihnen mit, daß ich immer noch frisch und munter bin hoffentlich Ihr auch. Ich muß mir hier viele Sachen kaufen z.B. erst Rasierzeug für 6,75 M dann Koppel und Säbeltasche kost zusammen 8,50 M dann muß ich noch 2 paar wollene Pulzmuffen haben die 10 cm lang sind und meine schwarze und blaue Schlachterjacken. Seit so gut und schickt mir sobald wie möglich. ich hatte schon 13,50 M gekricht da habe ich mich putzzeug für angeschaft. Es muß hier alle blank sein. Wie ich hier kam habe ich soviel Zeug gekricht mehr wie ich tragen konnte dann könnt Ihr euch wohl denken das wir viel zu putzen haben schicken sie mir auch ein bischen Butter mit wenn Ihr was habt. Man hat es beim Schlachter besser wie hier. Ich könnte Weihnachten auch wohl Urlaub kriegen aber ich habe es abgelent denn ich bin ja noch nicht einmal da. Mehr besonders kann ich Ihnen nicht mitteilen.

Mit Gruß

Euer Sohn Georg

Adresse heißt
"Soldatenbrief"
Eigene Angelegenheit des Empfängers
Rekrut Georg XXXXXXX
Kompagnie Königs-Infanterie Regiment
(:6. Lothr.:) N.145
Montigny Kreis Metz

 

Montigny, den 17.11.1911

Liebe Eltern!

In guter Zufriedenheit teile ich euch einige Zeilen mit. Erhielt das Paket am Montag Abend, wovon ich die Wurst zuerst probirte die schmeckte Tadellos, aber die Leberwurst im Darm glaube ich, das Ihr die nicht richtig gargekricht habt. Es kam mir sehr gut aus denn man hat jetzt nichts zu tun wie fressen und Wache schieben. Dann habt Ihr mir über den Krieg geschrieben da wird man hier gar nichts von gewar weil man keine Zeitung zu lesen kricht. Habe es augenblicklich mit den Zähnen zu tuhn ich habe eine ganze Dike Bake. Ich habe hier furchtbare schlechte Zähne gekricht. wo das von kommt das weiß ich nicht ob das von dem harten Brot oder von Kälte kommt. Es wird mir hier jetzt so richtig langweilig. Ich glaube ihr habt jetzt so viele Zigaaren im Schrank liegen laßt sie nicht verfaulen sondern schickt mal ein paar herüber die kann man Abends so schön rauchen. Unser Fritz der raucht sie doch nicht alle. Ob ich Weihnachten auf Uhrlaub komme weiß ich noch nicht. Habe die 4 Mk erhalten in die Butter. Hätte Euch schon eher geschrieben habe aber keine Zeit gehabt. Ich war schon 2 mal auf Wache. Einer von unsere Kommpagnie hat einen fest genommen einen Spion mit Revolver und Dolch. Der Posten hat 50 Mk Belohnung gekricht. Mehr besonders kann ich Euch nicht mitteilen mit Gruß Euer

Sohn Georg

Bild des Briefkopfes von obigem Brief (59 kB)

Montigny, den 22.6.1912

Liebe Eltern!

Habe Euren Brief und die 5 Mk erhalten. Bin gut gesund und munter was Euch wahrscheinlich Naber aus Ege erzählt hat. Dem habe ich 3 Hemden eine schwarze Jake Rasierzeug und Uhr mit gegeben habe die Uhr ist kaput die braucht ihr nicht machen lassen ich habe sie ekstra nicht geschickt weil ich sie doch nicht mehr tragen konnte. Ich war hier damit beim Uhrmacherder sagte die sollte 3,50 Mk kosten. Die bezahle ich dem nicht dafür. Die Uhr krieg ich da billiger gemacht. Dann habt Ihr mir geschrieben von dem Bild. Das kann ich Euch nicht eher schicken wie in 3. Wochen denn wir mußten das Geld im voraus bezahlen. Das ist ein ganz großes Bild da steht eine ganze Kompanie drauf der kommandierende General der Oberst Hauptmann Leutnand und Feldwebel. Meinen Reservestock habe ich schon fertig. Aber liebe Eltern wie ist daß eigentlich mit meinen Anzug. Meine Hose die müßt Ihr noch wohl nach einem Schneider bringen das der ein anderes Stück drin setzt und etwas aufbügeld den Rock auch damit sich ein Viehhändlers Sohn nicht schämen braucht. Hier ist es jeden Tag 50 Grad Hitze. Mehr besonders kann ich Euch nicht mitteilen. Mit Gruß Euer Sohn

Georg

Schreibt bald wieder. Schönen Gruß an Frieda.

Gibt dem Naber ein kleines Paketchen mit Zigaaren mit wenn er wieder kommt denn eine Heimmaths Zigaare die schmeckt so schön weil sie nichts kostet.

 

Die Militärzeit hat den jungen Mann aus Uelsen weit von der Heimat weggeführt. Die gänzlich andere Umgebung, die sich ihm in Lothringen, seit 1871 wieder zum Deutschen Reich gehörend, bietet, wird aber mit keinem Wort erwähnt. Auch die bunt kolorierte Ansichtskarte aus Metz vom 22.2.1912 enthält nur die Mitteilung, daß er Ostern nicht auf Urlaub käme und Geld gebrauchen könne. Das Ende der Zeit, in der er des Kaisers Rock zu tragen habe, ist nach Tagen (92) absehbar, der Reservistenstock bereits fertig.

Und scheiden wir auch vom Kommiß,
Schön war es doch das bleibt gewiß.
Wohl dem, der froh mit singen kann,
Hoch lebe der Reservemann.

(Briefaufdruck)

 

| Bild des Briefkopfes mit obigem Aufdruck, Vorsicht 260 kB! |

Vier Jahre sind ins Land gegangen. Der erste Weltkrieg mit seinen bis dahin nicht vorstellbaren Materialschlachten an den Fronten und Lebensmittelknappheit in der Heimat hat das Leben verändert. Unser Georg hat das große Glück als Landsturmmann bei der Bewachung der Kriegsgefangenen eingesetzt zu werden. So verbringt er in dieser schweren Zeit doch noch relativ sorglose Tage, nicht allzu weit von zu Hause. Die verschiedenen Quartiere im Hannöverschen erlaubten das Knüpfen zarter Bande. So kreisen die Gedanken des Realisten um die Probleme der nahen Zukunft.

 

Pestinghausen, den 13. 1. 16

Liebe Eltern!

Mus Euch leider mitteilen, daß ich seid einigen Tagen etwas krank gefeiert habe, was Gott sei Dank jetzt wieder etwas besser geht. Hatte mich nehmlich furchtbar erkältet. Die Gefangenen sollen nehmlich arbeiten ob es schlechtes oder gutes Wetter ist. Wir lösen uns gegenseitig ab einen Tag geht Riehs und einen Tag ich. Habe mich diese Tage immer feste Grok getrunken und daß hat gut geholfen. Hab mich auch ein paar neue Schlappen gekauft, damit ich die nassen Schuhe oder Stiefel ausziehen kann. Liebe Eltern wenn Ihr könnt, so schickt mir noch etwas Geld, denn Ihr wißt ja wie daß ist wenn man in einer Gastwirtschaft ist und man will sich denn auch nicht blamieren lassen.

In der Hoffnung, daß Ihr noch alle gesund seid, verbleibe ich unter tausend Grüßen

Euer Sohn Georg

 

Pestinghausen, den 27. 1. 16

Liebe Eltern!

Soeben 10 Mk erhalten danke auch bestens dafür. Mir geht es soweit ganz gut. Wie geht es eigentlich Schwester Gesina erhielt soeben eine Karte, das sie krank war und ärztliche Hülfe nötig hätte. Schreibt mir bitte mal, wann Vater seinen Geburtstag hat. Wie geht es ihm denn noch, kauft er noch viel Schweine?

Frieda schreibt mir noch über eine Uhrkette will mal sehn ob der Franzose noch eine machen kann, so schicke ich noch einen herüber. Habe augenblicklich viel Schreiberei mit der Komandantur. Die wollen alles wissen wie daß hier zu geht. Will mal sehn, ob ich nicht bald in Urlaub kommen kann. Gerne tuh ich es ja nicht, aber ich möcht Euch gerne einmal besuchen. Habt Ihr schon wieder geschlachtet? Teilt es bitte mal mit. Mehr besonders kann ich Euch nicht mitteilen.

Mit Gruß Euer Sohn Georg

 

Pestinghausen, den 9. 3. 16

Liebe Eltern!

Euch zur Nachricht, daß ich die Franzosen schon wieder abgeliefert habe und zwar am Sammstag nachmittag waren wir um 3 Uhr Nachmittag in Hameln a/W. Sind von da aus wieder weggefahren bis nach hannover kamen daselbst um 12 Uhr Nachts an haben dort geschlafen bis morgens 4.44 Uhr und sind denn weitergefahren bis Hoyja. Von da aus habe ich mir ein Rad gepumt und bin wieder nach Pestinghausen gefahren und habe Meyers besucht. Und Rengstorf ist nach seine Frau gefahren. Der wohnt in Eizendorf bei Hoja. Nun fahren wir nicht eher wieder weg zur Komp. nach Gäsloh wie morgen Mittag. Jetzt liebe Eltern will ich mal sehen, ob ich zu Ostern 4-5 Tage Urlaub haben kann. Meyers Vater meinte auch wir könnten uns Ostern mal verloben. Jetzt kann Frieda und Vater ja man nach hier kommen wenn wir Verlobung feiern. Wenn wir Hochzeit feiern kann Mutter ja man mitkommen weil Ihr die lange Reise doch schließlich zuviel wird. Ihr kricht aber denn noch extra Nachricht wann Ihr kommen könnt. Jetzt liebe Eltern vor allen Dingen unser Frieda kann das machen meinen Anzug mal nach Bremmer bringen etwas reine machen und schön ausbügeln und hinten einen Schnitz im Rock machen, ziemlich groß damit ich hier Ostern nicht mit dem alten Militärzeug sitzen brauche. Ihr könnt meinen steifen Hut Schlips und Kragen mal zu Ostern nach hier senden natürlich nach Meyer. Frieda kann ja mal einen schönen kaufen. Wenn Bremmer den Anzug fertig hat kann er Ihn ja selbst einpacken und nach hier senden. Also Ihr kricht noch näher Bescheid wann die Verlobung sein soll. Ihr müßt den Anzug auch früh genug hinbringen, damit er auch fertig wird.

Nächstens mehr. Mit Gruß Euer Sohn

Georg

Schönen Gruß sendet Johanna Meyer und Eltern

 

Eilbrief der Freundin an Georg in Uelsen

P'hausen d. 5.4.16

Lieber Georg!

Heute haben wir bestimmt Nachricht bekommen das Ihr fortkommt. Ist nicht so gut. Nun hab' ich auch mit Mutter gesprochen. Das hättest Du mal hören sollen. Was Sie alles gesagt hat, werde ich Dir nicht alles erzählen. Sie meinte, was ich denn machen wollte, wenn Du fortwärst. Da hab ich gesagt, wir könnten Kriegstrauung machen. Sie meinte aber, wenn Du erst fortwärst kämst Du so leicht nicht wieder. Könntest auch gleich im Schützengraben müssen. Da hab ich denn gesagt, wir könnten Freitag noch.

Nun l. Georg bitte ich Dich, komme so bald wie möglich. Hoffentlich bekommst Du heute diesen Brief noch, und dann bemühe Dich darum was Du für Papiere haben mußt und was dazu gehört, und bring dann alles mit, dann geht es Freitag vieleicht doch noch, wenn Du morgen schon hier bist können wir schon alles dazu fertig machen. Es ist auch ja das Richtige je eher desto besser. Einmal müssen wir ja doch, und l. Schatz wir haben das ja so gewollt, wir hatten uns zu lieb.

Lieber Georg bringe Deine lieben Eltern mal mit, oder Deine Schwestern. Dann lernen wir uns auch gleich kennen. Das möchte ich doch gerne das die mit auf unsere Hochzeit seien. Ich denke wenn wir verheiratet sind, dann bekomme ich nicht mehr so viel schimpfe. Lieber Georg warum schreibst Du denn garnicht? Hast Du lieber Junge denn wirklich keine Zeit! Nun bring aber bitte alles mit. Denn ich hoffe nach dieser schlechten Zeit, kommt noch wieder eine schönere.

Sei nicht böse wenn ich einen Eilbrief schicke, der andere kam nicht mehr so früh. Wenn der Brief früh genug kommt, dann fahre doch heute noch, aber alles mitbringen.

Auf Wiedersehen freut sich

Deine Hanne

Wenn Du solltest heute Abend kommen, dann wecke unsere Eltern man, und erzähle die auch gleich alles, einmal mußt Du ja doch

Komme bitte Deine Hanne

Es liegt so viel Geld auf der Post, es wartet alles auf Dich, Vater kann das garnicht bekommen. Er ist schon hin gewesen, und Rengstorf ist ja den ganzen Tag fort.

 

Gösloh, den 11. 4. 16

Liebe Eltern!

Euch zur Nachricht, das ich jezt im Gefangenenlager Gösloh b. Uchte bin. Habe kürzlich den Eilbrief noch grade am Bahnhofe in Syke erhalten wenn er 5 Minuten später kam waren wir schon mit dem Zuge weg. Es freut mich daß er noch so früh kam. Johanne ist auch verrückt gewesen, daß es wegen meiner Papiere schrieb, denn von Heiraten müssen, ist gar keine Rede mehr und thun wir auch nicht. Weil Sie ihre Regel grade wie vorher gekricht hat und das grade in der 8. Woche. Was hat doch Jakops wohl gesagt. Er ist es doch nicht gewar geworden? Oder habt Ihr es Ihm gesagt. Liebe Eltern wenn ich Urlaub bekomme gegen Ostern so wollen wir uns verloben. Wenn ich mich jetzt nicht blamieren will, so muß ich die Verlobungsringe kaufen. Habe Sie kürzlich gefragt, wieviel sie wohl kosten würden, da sagte Sie jeder Ring 24 Mk. Sie wollte so einen billigen und schlechten nicht haben. Ich konnte Sie ja sonst noch billiger kaufen aber sie geht selber mit zum kaufen. Jetzt möchte ich Euch bitten, daß Ihr mir gegen denn Donnerstag vor Ostern 40 Mk schickt. Soviel Geld habe ich selber noch, daß ich die 8 Mk selber dabei legen kann, weil Sie zusammen 48 Mk kosten. Werde Euch das Geld nachher wohl wieder verdienen. Der Vater Meyer will es noch extra in der Zeitung setzen lassen und Verlobungskarten rund schicken da werden wohl viele Leute kommen zur Verlobung. Im Falle, wenn ich keinen Urlaub kriegen sollte so schicke ich Euch früh genug Nachricht dann findet Sie nicht statt, und braucht auch kein Geld zu schicken. Dann warten wir noch 14 Tage. Ich glaube Ihr müßt wohl darauf rechnen. Und laßt ja den Anzug in Ordnung machen. Frieda und Vater können denn ja kommen. Ich schreibe Euch denn noch wie Ihr fahren könnt bis nach Syke. Vater muß aber wie ein nobler Herr erscheinen schön friesiert und rasiert. Wie geht es Euch mit der Kuh, habt Ihr sie verkauft oder hat Sie schon gekalpt. Ihr könnt es Friedrich ja auch sagen der kann auch mitkommen.

Mit Gruß Euer Sohn

Georg

 

Dünsen, den 26. 4. 1916

Liebe Eltern!

Euch zur Nachricht, daß ich Ostern bei Meyer in pestinghausen gefeiert habe und daß sehr gemütlich. Dem Alten hat es dort wohl gut gefallen. Er meint es wäre daso komisch, das man sofort von der Strahse aus in der Küche käme, sonst wäre da ganz nett. Ihr habt doch gesagt, daß Ihr in 14 Tage kommen wolltet. Könnt Ihr es nicht machen daß Ihr Sammstag in 8 Tagen nach hier kommt? Ihr müßt dann morgens mit dem 1. Zuge dort abfahren dann seid Ihr nachmittags um 5 Uhr in Syke. Ihr könnt mir es mal eben mitteilen. Liebe Eltern der Alte sagte ich krichte für über 3000 Mk Möbel mit und er mögte ganz gerne, daß wir uns ein neues Haus kaufen. Nun habe ich gedacht wenn wir das Haus kaufen könnten was Wersmann gekauft hatt von Vanwiren und thäten uns dort ein niedliches Haus bauen mit einem kleinen Laden drin. Wir kriegen ja soviel Geld mit, daß wir das Haus schuldenfrei oder vielmehr geringe Schulden darauf haben. Vater und Mutter brauchen ja nicht zu denken, daß ich mit Ihn nichts zu thun haben will, nein grade im Gegenteil, wo ich Vater helfen kann thue ich. Und wo Vater mir hälfen kann, daß läßt er nicht, daß weiß ich schon. Die Hauptsache ist, das wir viel Geld haben und wenig Arbeit. Vater kann Wersmann ja mal danach fragen ob er es nach dem Kriege verkaufen will und nachher Bescheid mitbringen. Aber wir wollen es nicht eher kaufen, wie nach dem Kriege. Vater was meinst Du wie teuer wird uns wohl ein neues Haus kommen. Ich denke doch für 5000 Mk haben wir doch ein anständiges Haus. Du mußt aber an Meyer sagen von 9-10000 Mk denn hier kommt ein Haus viel teurer wie dort. Wie Ihr es gemacht habt, ist es ganz gut immer Geld genug. Und dann müßt Ihr alles geheim halten gar nichts davon sagen. Andere Leute geht das gar nichts an. Auch nicht an Wersmann nicht zu viel reden. Jetzt wißt Ihr davon ja Bescheid. Jetzt noch eins wenn Ihr kommt so bringt mir doch bitte das Geld mit für die VerlobungsRinge . Meyers Vater sagte , wenn Ihr hier gewesen wärt, so konnten wir uns mal die Ringe holen , und dann nachher Verlobung feiern. Liebe Eltern wenn es jetzt auch etwas Geld kostet, das schadet nichts, wir kriegen es doppeld wieder. Jetzt teilt mir bitte mit was und wie Ihr darüber denkt.

Mit Gruß Euer Sohn

Georg

 

Dünsen, den 1. 5. 1916

Liebe Eltern!

Euch zur Nachricht, daß ich heute einen Brief von Meyers erhielt Ihr hättet um meine Adresse geschrieben. Habe Euch doch die Adresse richtig geschrieben . Die Briefe von Düsseldorf kommen doch auch alle nach hier auf selbige Adresse. Meine richtige Adresse ist Resw. G. XXXXXXX Wachtkomando Oberförsterei Harpstedt in Dünsen Ihr könnt ja Post Harpstedt dabei schreiben.

Meyers freuen sich schon daß Ihr Sammstag kommt. Schreibt mir bitte sofort ob Ihr kommt. Ihr müßt aber mit dem 1. Zuge dort abfahren. Mit Gruß

Georg

 

Hildesheim, den 14.1.17

Lieber Bruder Fridrich!

Mußt entschuldigen, daß ich Dich nicht eher schrieb. Du weißt ja wenn man eine Frau hat, dann hat man immer genügend zu schreiben. Danke Dir auch vielmals, daß Du Johanne die schönen Säuger geschickt hast. Schreibe mir doch bitte mal was selbige kosten. Wenn Johanne Dir das Geld nicht schickt, so werde ich es Dir geben wenn ich komme. Will mal sehen, das ich Urlaub kriege. Sehe mal zu ob Du noch welche kriegen kannst, dann kauf noch mal ein Dutzend ehe sie alle verkauft sind, denn das Gummi wird sparsam. Wie geht es Dir denn weiter bleibst Du auch wieder bei Nyhuis oder haben sie Dir noch nicht gefragt? Dann geht das Geldverdienen bei Dir an. Warst Du auch schon zur Musterung? Hoffendlich brauchst Du nicht Soldat zu werden. Wie geht es denn mit Johanne aus Emlichheim nimmt Sie den Otten (?), oder wird da nichts von besser wäre es von nicht. Meine Adresse hast Du ja jetzt. Habe Sie in Johanne Ihren Brief geschrieben. Nun will ich schließen in der Hoffnung Das Du bald wieder schreibst, verbleibe ich unter vielen Grüßen

Dein l. Bruder Georg

 

Frankreich, den 14. 4. 17

Liebe Eltern und Geschwister.

Zu meiner großen Freude erhielt ich eben wieder 2 Pakete. 1 mit Ziggarrn, Zieggarretten, ein schönes Stück Seife und eine Mettwurst und 1 Paket mit Spek und Mettwurst. Meinen herzlichsten Dank dafür. Die Seife kommt mir sehr gut aus jetzt will ich mir gleich mal waschen, habe mir nehmlich in 5 Tagen nicht mehr gewaschen müssen nehmlich zu weit laufen, daß wir Wasser kriegen. Sind jetzt in Reserve gekommen, nachdem wir 16 Tage forne waren. Liegen aber Tag und Nacht auf freiem Gelände im Dorfe können wir nicht sein, daß wird zu stark von der Artillerie beschossen. Ein Glück, das es jetzt schon wärmer wird. Die Soldaten haben alle so Sehnsucht nach Frieden, keiner hat Lust mehr am Kriege. Es wird ja auch wohl nicht all zu lange mehr dauern. Habe mich eben gelaust, habe einen guten Fang gemacht über 100 Stük ich wollte ich hätte für jeden eine Mk. Geht es nicht, daß Ihr mir mal ein Hemd schickt, ich habe nur eins, daß habe ich schon seid 15. März am Balge. Habe bis jetzt 5 Pakete von Euch erhalten wie Ihr mir geschrieben habt, nachdem ist noch keins verloren gegangen. Habe auch schon 4 Pakete von Meyer erhalten. Habt Ihr mein Paket von Hildesheim noch nicht erhalten? Wie geht es Euch denn mit den Aker, habt Ihr den schon Kartoffel gepflanzt ? Schreibt mir mal ob Fridrich noch bei Nyhuis ist. Jetzt will ich schließen nochmals vielen Dank für die schönen Pakete. Es grüßt herzlich Euer Sohn und Bruder

Georg

 

Nun hat der Krieg den Niedergrafschafter doch eingeholt. Über die Anschrift Ib Abt.I Rekruten-Depot, Hildesheim, führte der Weg an die Front nach Frankreich. Soldaten waren knapp geworden, da mußten auch die Landsturmmänner heran. Erstmals äußert sich Georg zum Krieg. Über die Ereignisse der nächsten vier Monate lassen sich nur Vermutungen anstellen. Fest steht, daß er sich als Verwundeter auf dem Boden der neutralen Schweiz als Internierter befindet. Der Umschlag trägt die Stempel "Kriegsgefangenen-Internierung Engelberg Schweiz" und "Postprüfungsstelle Austauschstation Konstanz".

Engelberg, 26. 7. 1918

Liebe Eltern und Geschwister!

Meinen besten Dank für erhaltene 13 Frank. und 88 Cantims. vom 16.7., welche ich soeben von Euch erhielt. Liebe Eltern Schikt mir bitte kein Geld mehr ab, denn ich gebrauche wennig Geld weil ich noch immer nach meinem Bauer gehe, und kann dort essen was ich will. Habe auch von den Leuten eine Kiste Ziggarn bekommen. Sie sagten ich wäre immer so fleißig, dabei mache ich fast garnichts. Kann Euch mit Freuden mitteilen, das meine Hand von Tag zu Tag besser wird und stärker. Ihr werdet es wohl auch an der Schrift sehen können. Mir ist es doch noch etwas besser gegangen, wie die andern 3 Kammeraden die von derselben Granate zerschlagen sind, und schon längst in Frankreichs-Erde verfault sind. Ich habe ja auch viel leiden müssen, aber das vergist man mit der Zeit wieder. Und ich bin froh, Euch mal gesund und munter wiedersehn zu können. Liebe Eltern habe wegen der 20 Mk, die Ihr nach Frankreich geschikt habt reklamiert. Wenn Ihr sie wieder zurück erhalten sollt, so teilt es mir bitte sofort mit. Es kann sein, das mir Johanne im September besucht. Das freut mich richtig. Liebe Eltern wie geht es Euch denn noch Seit Ihr noch alle munter? Hoffendlich doch! Für wen kauft Vater denn jetzt Schweine? Selbige werden augenbliklich wohl sehr teuer sein. Jetzt will ich schließen und Seit alle recht herzlich gegrüßt von Eurem lieben Sohn und Bruder

Georg

Habt Ihr denn mein Bild schon erhalten?

Hier ein Ausschnitt von obigem Brief, diesmal in lateinischer Schrift geschrieben (33 kB) und das Bild einer Ansichtskarte aus Engelberg (56 kB).

Engelberg, 18. 8. 1918

Liebe Eltern und Geschwister!

Euch zur Nachricht, daß ich soeben Euren lieben Brief vom 7.8. erhalten habe, wo ich mich sehr über freue, und auch bestens dafür danke. Auch habe ich heute 16 Frank 66 Santims aus Frankreich erhalten, für die 20 Mk ., welche Ihr am Anf. Mai abgeschickt habt. Das reklamieren hat doch geholfen. Also liebe Eltern schickt mir kein Geld mehr ab. Höchstens wenn Johanne im Oktober kommt, das ich dann etwas gebrauche , aber ich glaube nicht. Mir geht es weiter sehr gut, was ja hoffendlich bei Euch auch der Fall ist. Freue mich dahs die Leute Erbsen bekommen, denn Sie haben sie wirklich verdient. Sie können aber die Erbsen nicht eher pflanzen wie im Mai bis dahin liegt noch Schnee und ist auch viel zu kalt. Die Kartoffel fangen hier jetzt erst an zu blühen, bekommen aber trotzdem ganz schöne Karrtoffen. Das K.Laub verwelkt hier nicht wie bei uns, sondern bleibt grün. Liebe Eltern es freut mich sehr, daß Ihr unser Fritzchen sein Grab so schön gemacht habt. Ändern tut das zwar an der ganzen Sache nichts mehr, aber es ist immer ein treues Andenken. Liebe Eltern diesen Brief habe ich am Sammstag abend den 17. geschrieben, weil wir die Post morgen früh um 9 Uhr schon abgeben mühsen. War heute morgen schon um 2 Uhr aufgestanden, habe nehmlich die Viehherde mit herunter treiben helfen von der oberen in der unteren Alp. Die obere Alp ist 2500 m hoch und die untere so 12 1300 m also ungefähr die Hälfte niedriger. Habe sie vor zirka 6 Wochen auch mit herauftreiben helfen. Das Gras war jetzt wieder schön angewachsen in der u Alp. Also liebe Eltern führe augenblicklich ein sehr intresantes Leben. Nun will ich schliehsen und Seid recht herzlich gegrüßt, von Eurem lieben Sohn und Br.

Georg

Auf der vierten Seite dieses Briefes finden sich nachfolgende Zeilen der Ehefrau Johanne an ihre Schwiegereltern in Uelsen:

Ihr Lieben ich habe unter der Zeit, wie ich fort war diesen Brief bekommen, Ihr werdet wohl meinen bekommen haben. Georg gedenkt, das Er gegen Weihnachten nach hier kommt, und das Er dann auch entlassen wird, und wenn Er jetzt noch nicht kommt, dann muß Er immer dort bleiben, aber seidt gans ruhig, Er hat es dort so gut, ich bin jetzt auch ruhig geworden, ich hab mir auch immer viel Gedanken gemacht, aber es tut jetzt nicht mehr nötig. Unsern Hafer haben wir rein, nuhr unser Heuh ist alles draußen. Hier regnet es immer. Wie geht es Euch damit? Unser Pferd haben wir verkauft für 6ooo Mark und 10 Ferkel zu a 5 Mark das Pfund.

Nun schreibt bitte bald wieder, seidt herzlich gegrüßt

von Eure Hanne und Liesa Eltern und Brüder

 

Engelberg, den 10. 10. 18

Liebe Eltern und Geschwister!

Ihr werdet entschuldigen, dahs ich Euch in langer Zeit nicht mehr schrieb, dachte nehmlich das wir schon am 4 Oktober nach Deutschland kämen. Kommen von hier aus nur mit 3 Mann fort. Es wird wohl Ende Oktober werden. Liebe Eltern hier liegt seit gestern bald einen !/2 m Schnee. Wie ist das Wetter wohl bei Euch? Ihr denkt doch sicherlich noch nicht an den Winter. Wie geht es Euch denn noch weiter? Hoffendlich doch gut! Handelt Vater denn noch mit Schweine? Oder sind sie nicht teuer? Habe mir 2 schöne Bilderramen gemacht, mit Adler drauf. Ich glaube, dahs sie Euch wohl gefallen werden. Die Söhne von den Leuten haben mir dabei geholfen. Sie hatten auch ein großes schönes Schaf, das ist an Blut-Verlust gestorben. Ich konnte es aber nicht mehr retten. Die Leute sprechen hier viel von Frieden, hoffendlich kommt es auch bald zum Schluß. Wie geht es Gesina in Veldhausen denn weiter, war sie schwer krank? Nun will ich schliehsen später mündlich mehr. Nun Seid recht herzlich gegrüßt von Eurem lieben Sohn und Bruder

Georg

 

Dies war der letzte Brief, der mir vorlag. Meine Recherche ergab, daß der Briefschreiber nach seiner Heimkehr das Anwesen seiner Schwiegereltern übernommen hat. Bei seinem Sinn für das Wesentliche ist zu vermuten, daß es ein erfolgreiches Leben gewesen ist. Seine unverheiratete Schwester Frieda, mehrmals in den Briefen erwähnt, wohnte lange allein in dem Uelser Häuschen. Die letzten Jahre verbrachte sie in der Psychiatrie in Osnabrück, bevor sie 1976 im Alter von 83 Jahren starb.

Hans Joachim Freinatis, Februar 2001

 

 Home

 Up

Erstellt: 21.02.2001, letzte Änderung: 11.07.2005    www.Uelsen-und-Umgebung.de